Mac OS X: Fusion Drive im Eigenbau

Wer eine SSD und eine Festplatte in seinem Mac hat, kann mit relativ wenig Aufwand die beiden Speichersysteme zu einem Fusion Drive verbinden.

Bitte beachten: Bei dieser Prozedur werden sämtliche Daten auf der Platte und der SSD gelöscht. Vorher sollte also auf jeden Fall ein ein Backup angelegt werden.

Was ist ein Fusion Drive?

Ein Fusion Drive^ ist nichts anderes als der Verbund zweier Partitionen, von denen eine auf einer SSD und die andere auf einer Festplatte liegt, zu einem logischen Laufwerk. Dabei wird die SSD nicht nur als Cache benutzt, sondern ist Bestandteil der Gesamtkapazität des Verbundlaufwerks. Lediglich 4 GB Speicher der SSD werden zum Puffern von Schreibvorgängen reserviert. Durch das Puffern der Daten auf der SSD werden besonders die Schreib-Operationen massiv beschleunigt. Zudem werden häufig genutzte Daten auf der SSD abgelegt und sind damit auch entsprechend schnell im Zugriff. Dies alles geschieht transparent im Hintergrund. Diesen Zuwachs an Geschwindigkeit „erkauft“ man aber auf Kosten der Datensicherheit, da sich das Ausfallrisiko durch die Verwendung von zwei Datenträgern verdoppelt. Regelmäßige Backups sind also umso wichtiger.

Ein Fusion Drive einrichten

Wie man ein Fusion Drive einrichtet, zeige ich hier exemplarisch an meiner Konfiguration. Das Erstellen des Fusion Drive erfolgt komplett über die Kommandozeile. Per GUI ist das noch nicht möglich. Mein Mac verfügt derzeit über 4 Laufwerke:

  • /dev/disk1: 512 GB SSD als Bootlaufwerk
  • /dev/disk0: 256 GB SSD als Datenlaufwerk 1
  • /dev/disk2: 750 GB HDD als Datenlaufwerk 2
  • /dev/disk3: 1 TB HDD als Datenlaufwerk 3

Die 1 TB Platte wird hauptsächlich für große Videodateien benutzt, da würde ein Fusion Drive nur bedingt nutzen, daher sollen das Datenlaufwerk 1 und Datenlaufwerk 2 zu einem Verbundlaufwerk von ebenfalls 1 TB Größe „verschmelzen“. Dieses Laufwerk soll dann für Bilder und Musikdateien verwendet werden.

Daten sichern

Da sowohl die SSD als auch die Festplatte beim Einrichten des Fusion Drive komplett gelöscht werden, ist als erstes eine Datensicherung angesagt. Und wo man dann schon mal dabei ist, kann der Rest gleich mitgesichert werden, nur für den Fall, dass man sich bei der folgenden Prozedur vertippt ;-).

Erstellen des Fusion Drives

Wenn alle Daten gesichert sind, kann mit der Einrichtung des Laufwerks begonnen werden. Da die Einrichtung komplett per Kommandozeile erfolgt, wird für die Einrichtung das Programm „Terminal“ benötigt. Das Programm findet sich sich im Finder unter „Programme“ im Unterordner „Dienstprogramme“

„root“ werden

Für das Ausführen der meisten Kommandos werden Root-Rechte benötigt werden. Per „sudo“ kann der Benutzer in der Konsole gewechselt werden.

> sudo su -

Alternativ kann der Befehl „sudo“ auch einfach allen Kommandos vorangestellt werden. Dabei muss in der Regel nur beim ersten „sudo“ Kommando ein Passwort eingegeben werden.

> sudo diskutil list

Ich persönlich bevorzuge den Wechsel des Benutzers per „sudo su -„, daher werden hier alle weiteren Befehle ohne „sudo“ aufgeführt.

Aktuelles Festplatten-Layout anzeigen lassen

Zuerst sollte ermittelt werden, über welche Gerätenamen auf die Platte und SSD zugegriffen wird. Ich habe die Namen meiner Platten bereits oben in der Auflistung aufgeführt. Ausgelesen habe ich diese Informationen mit dem Kommando:

> diskutil list

Das Ergebnis dieser Eingabe sah bei mit so aus:

/dev/disk0
#:                       TYPE NAME                    SIZE       IDENTIFIER
0:      GUID_partition_scheme                        *256.1 GB   disk0
1:                        EFI EFI                     209.7 MB   disk0s1
2:                  Apple_HFS Daten1                  255.7 GB   disk0s2
/dev/disk1
#:                       TYPE NAME                    SIZE       IDENTIFIER
0:      GUID_partition_scheme                        *512.1 GB   disk1
1:                        EFI EFI                     209.7 MB   disk1s1
2:                  Apple_HFS Macintosh SSD           511.3 GB   disk1s2
3:                 Apple_Boot Recovery HD             650.0 MB   disk1s3
/dev/disk2
#:                       TYPE NAME                    SIZE       IDENTIFIER
0:      GUID_partition_scheme                        *750.2 GB   disk2
1:                        EFI EFI                     209.7 MB   disk2s1
2:                  Apple_HFS Daten2                  749.8 GB   disk2s2
/dev/disk3
#:                       TYPE NAME                    SIZE       IDENTIFIER
0:      GUID_partition_scheme                        *1.0 TB     disk3
1:                        EFI EFI                     209.7 MB   disk3s1
2:                  Apple_HFS Daten3                  999.9 GB   disk3s2

Die für mein Vorhaben relevanten Gerätenamen sind also „disk0“ und „disk2“.

Das logisches Laufwerk erstellen

Im nächsten Schritt werden dann diese beiden Geräte zu einem logischen Laufwerk verbunden. Als Namen für das Laufwerk habe ich, nicht wirklich kreativ, „FusionDrive“ gewählt:

> diskutil cs create FusionDrive disk0 disk2

Die Ausgabe dieser Operation sollte wie folgt aussehen:

Started CoreStorage operation 
 Unmounting disk0 
 Repartitioning disk0 
 Unmounting disk 
 Creating the partition map 
 Rediscovering disk0 
 Adding disk0s2 to Logical Volume Group 
 Unmounting disk2 
 Repartitioning disk2 
 Unmounting disk 
 Creating the partition map 
 Rediscovering disk2 
 Adding disk2s2 to Logical Volume Group 
 Creating Core Storage Logical Volume Group 
 Switching disk0s2 to Core Storage 
 Switching disk2s2 to Core Storage 
 Waiting for Logical Volume Group to appear 
 Discovered new Logical Volume Group "D0F2BCDE-0095-46F7-A789-B03996D3220E" 
 Core Storage LVG UUID: D0F2BCDE-0095-46F7-A789-B03996D3220E 
 Finished CoreStorage operation 

Wichtig ist die LVG UUID: D0F2BCDE-0095-46F7-A789-B03996D3220E. Die wird im nächsten Schritt gebraucht. Nach Abschluss der Aktion sieht das Logische Laufwerk so aus:

> diskutil cs list
CoreStorage logical volume groups (1 found)
|
+-- Logical Volume Group D0F2BCDE-0095-46F7-A789-B03996D3220E
    =========================================================
    Name:         FusionDrive
    Status:       Online
    Size:         1005528940544 B (1.0 TB)
    Free Space:   936239104 B (936.2 MB)
    |
    +-< Physical Volume 9536574B-EE8E-405C-8F97-65174AE31CBB
    |   ----------------------------------------------------
    |   Index:    0
    |   Disk:     disk1s2
    |   Status:   Online
    |   Size:     255716540416 B (255.7 GB)
    |
    +-< Physical Volume 69E4DBFB-4642-4EEF-83EB-6760B54A1A65
    |   ----------------------------------------------------
    |   Index:    1
    |   Disk:     disk2s2
    |   Status:   Online
    |   Size:     749812400128 B (749.8 GB)

Als letztes muss nun noch ein Volume auf dem logisch Laufwerk eingerichtet werden. Ich habe auch hier wieder „FusionDrive“ als Namen verwendet:

 > diskutil cs createVolume D0F2BCDE-0095-46F7-A789-B03996D3220E jhfs+  
   FusionDrive 998g
 Started CoreStorage operation 
 Waiting for Logical Volume to appear 
 Formatting file system for Logical Volume 
 Initialized /dev/rdisk4 as a 998 GB HFS Plus volume with a 40960k journal 
 Mounting disk 
 Core Storage LV UUID: C2158360-B568-424D-BF35-13F19F64610C
 Core Storage disk: disk4 
 Finished CoreStorage operation 

Damit ist die Einrichtung des Fusion Drive abgeschlossen, und das Verbundlaufwerk steht zur Verfügung.

FusionDrive2

Fazit

Mein Fusion Drive Laufwerk macht im täglichen Betrieb eine gute Figur. Hier ein mal ein Screenshot mit den aktuellen Schreib- und Leseraten:

FusionDrive_SpeedHier kommt das Konzept des Fusion Drive voll zum Tragen. Die Kapazität einer Festplatte kombiniert mit der Geschwindigkeit einer SSD – damit lässt sich gut arbeiten. 🙂

Viel Spaß beim selber Einrichten eines Fusion Drive!

Nachtrag

Ach ja, die komplette Prozedur lässt sich natürlich auch während der Installation von OS X ausführen, so dass man das Betriebssystem auch auf einem Fusion Drive installieren kann. Das ist aber für mich keine Option gewesen. 🙂

M.@.G


Quellen:

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Fusion_Drive

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