Hackintosh – Ein Experiment!

Aller Anfang ist G4

Nachdem ich von 2000 bis 2008 (fast) ausschließlich mit Linux, ja, auch auf dem Desktop, gearbeitet habe, bin ich mit dem Erscheinen von Windows 7 im Jahr 2009 wieder zurück zu Windows gewechselt. Hintergrund meiner Entscheidung war damals, dass es mir partout nicht gelingen wollte meine SUSE-Distribution stabil auf meiner neuen Hardware zu installieren. Immer wieder gab es Systemhänger und Abstürze wegen meiner neuen ATI-Grafikkarte. Die Treiber von ATI waren damals, gelinde gesagt, eine Katastrophe. Seit Oktober 2009 war ich also wieder „in den Fängen“ von Microsoft, und was soll ich sagen, alles hat sofort funktioniert.

Die Entwicklung bei den Linux-Desktops hat es mir dann auch wirklich leicht gemacht, denn das Design von Gnome, KDE und Co. hat mir persönlich auch nicht mehr zugesagt. Ich fand den neuen Windows 7 Desktop einfach deutlich hübscher als das was ich mir bis dahin unter Linux angeschaut hatte. Es ist richtig, dass ein Linux-Desktop deutlich mehr Möglichkeiten der Anpassung zur Verfügung stellt, aber nichts was ich konfiguriert habe, hat mich überzeugt. Ich bin halt kein Designer, sondern ein Entwickler. „Früher“ ging es mir eher um die Möglichkeiten, inzwischen bin ich aber auch der Meinung, dass ein hübscher Desktop nicht bei der Arbeit stört.

Allerdings bietet Windows bei Weitem nicht das, was einem eine Linux-Distribution so für die Arbeit alles bereitstellt. Zudem entwickle ich hauptsächlich Webanwendungen die zumeist auf Linux-Servern laufen, aber dafür gibt es ja VMware, Virtualbox und Co. Das hat in den letzten Jahren auch gut funktioniert. Linux auf dem Server und Windows auf dem Desktop – Mainstream halt ;-).

Da ich aber auch mal gerne über den Tellerrand schaue, hat es mich immer gereizt mir auch einen Mac zuzulegen, um mir das Betriebssystem von Apple mal näher anzuschauen. Allerdings haben die Dinger aus Cupertino einen gravierenden Nachteil – sie sind recht teuer. Und nur um so ein Teil mal auszuprobieren, wollte ich mir keinen Mac kaufen. Daher habe ich zuerst versucht MacOS X in einer VM zu betreiben. Dazu finden sich im Internet diverse Anleitungen und Tools mit denen sich eine solche VM einrichten lässt. Das ist aber keine wirklich praktikable Lösung, da sich in der VM nicht alles ausprobieren lässt.

Und dann kam der schicksalhafte Tag, an dem mir ein Kollege einen alten ausgemusterten 1999er Power Mac G4 geschenkt hat.

Der Umbau

Ein wirklich hübsches Gehäuse. Und schnell war die Idee geboren, aus dem alten Schätzchen wieder einen aktuellen Mac zu machen. Im Internet kursieren dazu diverse Anleitungen und auf tonymacx86.com habe ich dann eine Auflistung kompatibler Hardware gefunden. Nach ein wenig recherchieren habe ich dann folgende Komponenten für den Umbau bestellt:

KomponenteTypPreis
CPUIntel® Core™ i5-4670K199,90€
MainboardGIGABYTE GA-Z87M-D3H104,90€
ArbeitsspeicherCorsair DIMM 16 GB DDR3-1600 Kit139,90€
Netzteilbe quiet! Pure Power CM L8-430W64,90€
CPU-KühlerAlpenföhn Silvretta18,99€
TastaturKeySonic KSK-8021 MacUH32,99€
Summe561,58€

(Eine 750GByte Festplatte sowie eine USB-Maus hatte ich noch rumliegen, daher führe ich diese hier nicht extra mit auf.)

Damit bin ich noch unter dem Preis eines Mac-Mini geblieben – leider sollte das aber nicht so bleiben, dazu aber später mehr. Der Umbau des Gehäuses war recht aufwändig, aber schlussendlich stand, nach zwei Tagen Arbeit, der neue Power Mac G4 vor mir.

Alles eingebaut und fertig für die Inbetriebnahme. Also, Klappe zu und ran an die Installation.

Vorbereiten der Installation

1. Einstellungen im BIOS

Um MacOS X auf einem PC zu installieren sind einige Vorbereitungen nötig. Besonders auf die Einstellungen im BIOS ist zu achten. Wenn diese nicht richtig eingestellt sind, lässt sich das Betriebssystem erst gar nicht installieren, oder läuft nicht stabil. Für mein Mainboard habe ich mich nach einigem Probieren für folgende Einstellungen entschieden:

  • Load Optimized Defaults
  • xHCI Hand-off – Enabled
  • EHCI Hand-off – Enabled
  • xHCI mode – Auto (nicht Smart Auto!)
  • VT-d Disabled – Meine CPU unterstützt kein VT-d, im BIOS wird aber Enabled angezeigt. (Das kann verwirren)
  • SATA Mode Selection – AHCI
  • PCIe Slot Configuration – Gen3
  • X.M.P. Memory Profile – Profile1

2. Installationsmedium erstellen

MacOS X gibt es nicht mehr als CD oder DVD zu beziehen, sondern nur noch im App-Store von Apple. Bei der von mir gewählten Installationsmethode ist es daher nötig, dass man Zugang zu einem Mac, oder einer VM mit installiertem MacOS hat. Dort kann man sich das Betriebssystem derzeit kostenlos laden.

Es werden etwa 5.2GB an Daten geladen, und im Anschluss an den Download startet automatisch die Installation. Die Installation kann mit [ ⌘ ]-[ Q ] abgebrochen werden. Weiter werden die Tools UniBeast – zum Erstellen des Installationsmediums – und MultiBeast – zur Konfiguration des installierten Systems benötigt. Beide Programme können, nach Registrierung, von der Seite „www.tonymacx86.com“ geladen werden. Es gibt auch noch MacOS-X Distributionen, wie Niresh, dort muss aber ein modifiziertes Installationsmedium aus dem Netz geladen werden, was ich persönlich für nicht ganz legal halte. Allerdings lässt sich diese Distribution auch auf Rechnern mit AMD-Prozessoren installieren. Das ist mit dem Originalpaket von Apple nicht möglich.

Die Installation ist, wenn man sich an die Anleitungen auf „tonymacx86.com“ hält, recht einfach. Man erstellt sich mit UniBeast ein Installationsmedium. Dazu braucht es nur einen USB-Stick mit mindestens 8 GiB Kapazität. Zusätzlich sollte man sich direkt das Konfigurations-Tool „Multibeast“ auf den Stick kopieren, dann hat man es direkt nach der Installation parat, denn es wird gebraucht um den Bootloader „Chimera“ nachträglich zu installieren.

3. Das System installieren

Hier nur die einzelnen Schritte der Installation als Liste:

  • Mavericks aus dem App-Store laden.
  • UniBeast und MultiBeast von der Seite tonymacx86.com laden.
  • Einen USB-Stick vorbereiten.
  • Mit UniBeast die Installationsdateien auf den USB-Stick kopieren.
  • (Optional) MultiBeast auf den USB-Stick kopieren.* Von dem USB-Stick booten und die Installation über den MacOS-X Installer durchführen.
  • Nach der Installation erneut vom USB-Stick booten, diesmal aber das installierte MacOS auswählen.
  • Den „Mac“ mit MutliBeast konfigurieren und den Bootloader installieren.
  • Neu starten und Voilá, der Mac ist fertig.

So weit, so gut. Die Installation war so einfach wie es sich hier liest. Den Schritt „Den Mac mit MultiBeast konfigurieren“ musste ich aber in der Tat einige Male durchführen, bis ich eine Konfiguration gefunden hatte, mit der mein Rechner sauber funktioniert. Besonders wichtig ist die Einstellung „System Definition“. Sie legt fest, was für ein Mac es werden soll. Nach einigem experimentieren, hat sich für mich herausgestellt, dass die Einstellung „Mac Pro 3,1“ das stabilste Ergebnis ergab. Wählt man hier eine Einstellung die nicht zu der vorhanden Hardware passt, endet das sehr wahrscheinlich mit einer Kernel-Panic.

Meine gewählte Einstellung hat aber den Nachteil, das Programme wie iMessage und die iCloud nicht funktionieren. Da ich aber beides nicht benötige, ist das ein „Nachteil“ mit dem ich gut leben kann. Installation und Konfiguration des Systems haben etwa 2 Tage gedauert. Wenn ich die verwendete Arbeitszeit summiere, so komme ich auf ca. 5 Tage. Einen Mac zu kaufen wäre vermutlich schneller gegangen, hätte aber sicher nicht so viel Spaß gemacht und – zumindest bis hier – mehr gekostet.

Erste Schritte, erste Ernüchterung

Aber ich habe es ja schon angedeutet. Ich hatte einen kleinen Fehler in meinem Rechnerdesign. Während ich mit dem Rechner experimentierte, fiel mir auf, dass die CPU unter Last sehr heiß wurde und der Rechner zudem auch recht laut war. Wenn man sich das Board und das Gehäuse auf dem Foto mal genauer anschaut und den Rechner in Gedanken mal zuklappt, wird klar, das zwischen CPU-Lüfter und Netzteil nicht mehr viel Raum für die Luftzirkulation bleibt, so dass sich die Hitze dort recht schnell staut. Zudem habe ich eine recht leistungsstarke CPU gewählt, was unter Last zu Spitzentemperaturen deutlich über 90°C geführt hat. Um keinen Schaden zu nehmen hat sich das System dann lieber ausgeschaltet. Das war nicht, was ich mir erhofft hatte. Zusätzlich stellte sich heraus, dass die Onboard-Grafik von Intel, ein HD4600 Chip, meinen Monitor, einen 27″ Eizo, in seiner nativen Auflösung von 1440p (2560×1440 Pixel) nur mit 30Hz ansteuern kann. Das führt beim Verschieben von Fenstern auf dem Desktop zu deutlich wahrnehmbaren Rucklern. Um mit dem Rechner auch wirklich arbeiten zu können, waren also noch Anpassungen nötig. Zum Einen musste ich mir überlegen, wie ich den Rechner kühler bekomme und zum Anderen, ob ich eine zusätzliche Grafikkarte einbaue oder einen zweiten, kleineren Monitor auf meinen Schreibtisch stelle.

Nur nicht Einschüchtern lassen

Eine zusätzliche Grafikkarte war schnell gefunden. Mein Fundus an nicht so ganz taufrischer Hardware enthielt noch eine Nvidia-Karte (GTX 560) 1 – ein zusätzlicher Monitor wäre auch noch da gewesen, aber mein Schreibtisch war hier der limitierende Faktor – er ist für zwei Monitore dann doch zu klein. Laut Dokumentation sollte die GTX 560 auch in einem Hackintosh funktionieren. Leider ließ das umgebaute Gehäuse ein Einbauen der Karte nicht zu, da ich, um die Gehäuserückwand nicht zerschneiden zu müssen, das Board so platziert hatte, dass der PCI-Express-Slot des Boards nicht bestückt werden konnte. Tja, es wurde also ein neues Gehäuse fällig. Meine Wahl fiel auf ein „Aerocool DS Cube Red“. Ich finde das Gehäuse recht stylisch, wenn auch ziemlich „fett“. Zudem habe ich noch den CPU-Kühler Silvretta gegen einen Alpenföhn Brocken 2 ausgetauscht. Der Umbau in das neue Gehäuse war dann eher Routine und nach einigem Basteln war der rote c(ustom)Mac dann fertig.

Das Gehäuse schlug dann noch mit ca. 70€ zu Buche und der Lüfter mit knapp 40€. Damit hat sich meine Investition in einen „Custom Mac“ auf ca. 670€ erhöht. Das ist für einen Mac ein ziemlich guter Kurs. Da es keinen Mac Mini mit einer vergleichbaren Ausstattung gibt, vergleiche ich mein System mit einem aktuellen iMac. Damit der Vergleich realistisch bleibt, rechne ich den Preis für meinen Monitor (630€), die Tastatur (30€) sowie die Magic-Mouse (65€) noch mit ein. Dann komme ich auf einen Betrag von ca. 1400€. Ein vergleichbarer iMac kostet zum Zeitpunkt an dem ich das hier schreibe, bei Alternate.de 2029€. Das ist noch mal ein Drittel mehr. Zugegeben der iMac verbraucht weniger Platz und sieht besser aus, allerdings überwiegen – und das ist jetzt meine Meinung – beim cMac klar die Vorteile. Ich kann jederzeit „problemlos“ Hardware austauschen und den Speicher erweitern. Das ist bei den aktuellen iMacs leider nicht mehr so einfach, da sich Apple dazu entschieden hat, Speicher aus Platz- und vermutlich auch monetären Gründen, auf dem Board zu verlöten. Man muss sich also beim Kauf genau überlegen, was man mit dem Rechner alles machen will, um dann gegebenenfalls tiefer in die Tasche zu greifen. Aber ich will hier jetzt nicht über Apples Firmenpolitik oder Apples Gründe für oder wider etwas philosophieren, da für mich bei der Entscheidung für den Bau eines Hackintosh die Ersparnis gegenüber dem Kauf eines Mac keine Rolle gespielt hat. Viel mehr hat es mich gereizt etwas zu tun, was vom Hersteller so eigentlich nicht vorgesehen ist. Es macht mir halt Spaß zu Recherchieren und Basteln.

Fazit

Und meine Erfahrungen beim Bau und der Konfiguration des Rechners zeigen mir auch, dass ein Hackintosh viel Spaß machen kann, man sich aber bewusst machen sollte, das man vor einem Rechner sitzt, den es, ginge es nach dem Hersteller des Betriebssystems, so nicht geben würde. Unterstützung bei Problemen findet man nur in Internet-Foren und auf einschlägigen Webseiten. Man ist frei in seiner Entscheidung was die Hardware angeht, muss aber immer damit rechnen, das etwas nicht funktioniert. Man muss bereit sein, sich auch mal in die Tiefen von Mac-OS X zu begeben, wo ja bekanntlich ein Darwin lauert. Und genau das ist der Grund, warum ich einen Hackintosh nicht als alleiniges System empfehlen würde. Zudem ist es nichts für jemanden, der einen Rechner einfach nur benutzen, sich aber nicht damit beschäftigen möchte. Das macht man am Besten mit einem echten Mac. Wer aber Spaß am Basteln hat, sich nicht scheut sich in neue Themen einzuarbeiten, auch mal in der Lage ist einen Rechner komplett neu aufzusetzen, bereit ist wirklich regelmäßig Backups zu machen und diese auch mal zurückzuspielen, der wird mit einem Rechner belohnt, den so nicht viele haben. Ein echt exotisches Gerät mit einem coolen Desktop.

Es bleibt spannend

Ich muss sagen, dass es mir ziemlichen Spaß bereitet mit meinem cMac zu arbeiten. Der Desktop ist schick und performant. Die Handhabung ist einfach zu erlernen, allerdings kämpfe ich regelmäßig mit der Tastaturbelegung, insbesondere beim Programmieren. Aber es bleibt spannend. In den nächsten Tagen werde ich das Update auf MacOS X 10.10 alias Yosemite in Angriff nehmen. Zudem plane ich dann auch den Umstieg von UniBeast/MultiBeast auf Clover.

M.@.G


  1. UPDATE: Im Oktober 2014 wurde die GTX 560 durch eine GTX 770 ersetzt, da sich das System immer wieder wegen der Grafikkarte aufgehängt hatte (Fermi Freeze Bug). Die Karte stammt aus der Aufrüstung eines Gaming-PCs. 

3 Gedanken zu „Hackintosh – Ein Experiment!

  1. Heiko

    Hallo, es stimmt, die Installation ist das Schlimmste bei der Sache, und manchmal ist man wegen den Kernel Panics am verzeifeln. UniBeast/Chameleon ist hier keine gute finale Lösung, weil das System immer instabil bleibt (USB 3 + PCIe Probleme). Wenn man ein wirklich stabilen Hackintosh haben möchte, muss man von Chameleon auf Clover UEFI updaten. Dazu gibt es auch Anleitungen. Die Umstellung ist leicht gemacht, jedoch sollte man immer vorher ein Komplett-Backup auf eine externe Harddisk machen, die man auch extern Booten kann (dann kann man immer wieder zurück und nochmal testen). Läuft Clover… hat man ein 100% stabiles System. Übrigens ich habe auf „iMac 14,2“ eingestellt und nicht „MacPro 3,1“. Dachte auch zuerst MacPro 3,1 wäre das richtige… doch iMac 14,2 ist noch besser. Jedenfalls habe ich damit keine Probleme (seit ca. 1 Jahr).

    1. Markus Greiner Beitragsautor

      Hallo Heiko,

      vielen Dank für Dein Feedback, und Du hast völlig Recht – Mit Clover geht es besser und 14,2 ist die bessere Einstellung. 🙂 Ich habe inzwischen vieles getuned und geändert. Der entsprechende Artikel dazu ist in der Mache und geht demnächst online.

      Gruß, M.@.G

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